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100 Jahre modernes Rumänien und seine deutschen Minderheiten. Siedlungsgeschichte und Leidenserfahrungen

in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Freundeskreis Siebenbürgen, der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, der Evangelischen Kirche in Rumänien und dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien

Zeitraum:
Kategorie: Bildung Heiligenhof
Veranstaltungsort: Der Heiligenhof - Alte Euerdorfer Str. 1 - D-97688 Bad Kissingen

Seminar zur historisch-politischen Bildung für interessierte Personen

1918 jährt sich zum 100. Mal das Ende des Ersten Weltkrieges. Infolge des Zerfalls mehrerer Großreiche entstanden neue Nationalstaaten. Das neugestaltete Großrumänien zählte zu den Gewinnern des Ersten Weltkrieges. Es verdoppelte sein Territorium. Von Ungarn erhielt es Siebenbürgen und große Teile des Banats, von Österreich die Bukowina, von Russland Bessarabien und von Bulgarien Teile der Dobrudscha. In (fast) allen diesen Gebieten und im rumänischen Altreich gab es historische deutsche Minderheiten, die vorher untereinander kaum in Beziehung gestanden waren. Für sie wurde der Sammelbegriff „Rumäniendeutsche“ geprägt. Ihre Zahl betrug damals rund 700.000. Großrumänen hatte nur bis 1940 Bestand als es Gebiete an die Sowjetunion, Ungarn und Bulgarien abtreten musste. Lediglich die Abtretungen an Ungarn wurden nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig gemacht. Die Deutschen Rumäniens sind aufgrund von Umsiedlungen, Kriegsereignissen, Deportationen und der Verhältnisse im Kommunismus nahezu verschwunden. Spätestens mit der letzten großen Migrationswelle nach der politischen Wende in Ostmitteleuropa 1989/1990 ist ein Kapitel fast neunhundertjähriger deutscher Siedlungsgeschichte in seiner bisherigen Form zu Ende gegangen.

Auf dem Territorium des nach dem Ersten Weltkriegs geschaffenen Großrumänien lebten damals zwölf deutsche Siedlergruppen: Siebenbürger Sachsen, Banater und Sathmarer Schwaben, Bessarabiendeutsche, Buchenlanddeutsche, Dobrudschadeutsche, Landler, Durlacher, Deutschböhmen, Steyrer, Temeswarer, Zipser. Sie unterschieden sich hinsichtlich ihrer Herkunftsgebiete, dem Zeitpunkt ihrer Einwanderung, ihrer Siedlungsgebiete und ihrer historischen Entwicklung. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt am 23. August 1939 wurde die Aufteilung Europas in Interessenssphären vereinbart und in Zusatzprotokollen die Aussiedlung der Bukowina-, Bessarabien- und Dobrudschadeutschen aus Rumänien – rund 200.000 Personen – im Jahr 1940 vollzogen. Durch zwischenstaatliche Abkommen wurden in der Kriegszeit die wehrfähigen rumäniendeutschen Männer – ca. 70.000 – ab 1943 fast ausnahmslos in die Waffen-SS eingezogen. Sie kamen, sofern sie den Krieg überlebt hatten, nicht nach Rumänien zurück. 1944 mussten die zeitweilig zu Ungarn gehörenden Nordsiebenbürger Sachsen – rund 40.000 Personen – vor der herannahenden Roten Armee nach Österreich flüchten. Anfang 1945 wurden weitere 70.000 Rumäniendeutsche zur Zwangs- und Wiederaufbauarbeit für fünf Jahre in die Sowjetunion ver-schleppt. Einige davon wurden in die SBZ und nicht nach Rumänien entlassen. Durch diese Ereignisse waren viele Familien getrennt. In den 1950er und 1960er Jahren fand unter humanitären Gesichtspunkten eine Familienzusammenführung dieser Kriegsfolgenschicksale – meist in der Bundesrepublik Deutschland – statt. 1978 schlossen die damalige Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und die rumänische Regierung unter dem KP-Chef Ceauşescu ein Abkommen, welches ein jährliches Aussiedlungskontingent von 15.000 Personen aus Rumänien in die Bundesrepublik vorsah. Die Bundesrepublik Deutschland bezahlte für diese Personen jeweils einen fünf- bis sechsstelligen DM-Betrag. Von 1977 bis zum Sturz des kommunistischen Regimes waren bereits die Hälfte aller autochthonen Deutschen emigriert.

Im Jahre 1990 fand ein Massenexodus der Rumäniendeutschen statt. Gegenwärtig leben in Rumänien noch rund 40.000 bis Deutsche. Die beiden zahlenmäßig wichtigsten noch in Rumänien verbliebenen Siedlergruppen umfassen die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben. Auf der Tagung werden Angehörige und Vertreter dieser Gruppen anwesend sein. Die Zahl der Deutschen aus Rumänien, die sich seit 1950 in der Bundesrepublik Deutschland niedergelassen haben, lag zum Ende des Jahres 1997 bei rund 430.000, das entspricht 12 Prozent aller Vertriebenen und Aussiedler in diesem Zeitraum. Die Rumäniendeutschen sind damit eine größere Migrantengruppe als die Griechen (350.000) und kleiner als die Italiener (650.000). Da Sie aufgrund des Artikel 116 GG alle sogleich nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen konnten, wurden sie bei Volkszählungen nicht mehr gesondert erfasst. Daher kann ihre heutige Zahl nicht genau bestimmt werden. Sie sind weitgehend in der deutschen Gesellschaft integriert und assimiliert. Trotzdem pflegen sie auch in zweiter und dritter Generation Mundarten, Traditionen, Kultur, Geselligkeit etc.

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