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Der deutsch-sowjetische Krieg 1941 - 45 und die Folgen bzw. Nachwirkungen für die „Sowjetbürger deutscher Nationalität

Zeitraum:
Uhrzeit: 18:00 - 20:00
Kategorie: Onlineseminar
Veranstaltungsort: Der Heiligenhof - Alte Euerdorfer Str. 1 - D-97688 Bad Kissingen

Veranstaltung für Multiplikatoren und historisch-politisch Interessierte

Der 28. August 1941 ist zweifellos das Schlüsselereignis der 250-jährigen Geschichte der Russlanddeutschen. An diesem Tag wurde die Verbannung der Wolgadeutschen und schließlich die Auflösung ihrer autonomen Republik offiziell bekanntgegeben. Bis Ende 1941 folgten ihnen alle Deutschen aus der Ost-Ukraine, aus der Krim und Nordkaukasus, aus den Städten wie Moskau oder Gorki... Insgesamt wurden 794.000 Menschen aus dem europäischen Teil des Landes nach Sibirien und Kasachstan zwangsumgesiedelt, ihr gesamtes Hab und Gut restlos konfisziert, nationale Bildungs- und Kultureinrichtungen liquidiert, Objekte der geistigen und materiellen Kultur vernichtet. Kurz darauf mussten um die 350 Tsd. Frauen, Jugendliche und Männer ins Zwangsarbeitslager einrücken.

Noch ein Jahrzehnt nach dem Kriegsende standen die Deutschen als Personen minderen Rechts, als Sondersiedler unter der Aufsicht der Kommandanturen des Innenministeriums. Erst nach Stalins Tod leitete die Regierung formalrechtliche Gleichstellung der Deutschen ein. Sie durften allerdings nicht in die Heimatorte zurückkehren und die Rückgabe des rechtswidrig konfiszierten Vermögens wurde ausgeschlossen.

Die Partei- und Staatsführung lehnte in all der Jahren ihre vollständige Rehabilitierung und die Wiederherstellung der Wolgarepublik hartnäckig ab, trotz vieler Eingaben und Proteste. Das hatte für die Betroffenen schwerwiegende Folgen: den Deutschen fehlte es an fast allem, worüber andere sowjetische Nationalitäten verfügten: Vertretung im zentralen und regionalen Partei- und Staatsapparat, Präsenz in den zentralen Massenmedien, wissenschaftlichen und populären Darstellungen, muttersprachlicher Schulunterricht, nationale Museen, Archive, Theater, Zeitschriften, Bibliotheken, Archive, Verlage, Hochschulen, Institute zur Aufbewahrung und Erforschung des nationalen Kulturerbes usw. Das führte neben der absichtlichen Zerstreuung auf Millionen Quadratkilometer zum Verlust der deutschen Sprache und Kultur und zu der beschleunigten Russifizierung. Auch das akademische Bildungsniveau der Deutschen war wesentlich niedriger als das anderer Sowjetvölker und ihre Beschäftigungsstruktur ist bis heute überdurchschnittlich von Arbeiter- und weniger von intellektuellen Berufen geprägt. Die ausgebliebene öffentliche Wiedergutmachung machte die deutsche Minderheit zum Objekt ressentimentgeladener Germanophobie, insbesondere angesichts der Bedeutung, die in der russischen Erinnerungskultur der Krieg mit NS-Deutschland einnimmt.

Diese Verfolgungs- und Diskriminierungspolitik rief den wachsenden Protest der Betroffenen hervor. Schließlich waren die meisten Vertreter dieser marginalisierten Volksgruppe nicht mehr bereit, ihren Status als Personen minderen Rechts widerspruchslos hinzunehmen und siedelten in die Bundesrepublik über.

Warum es sich so zugetragen hat, versucht der Referent in seinem Vortrag zu erklären.

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