Slide background

Erinnerungskulturen in Mitteleuropa

Zeitraum:
Kategorie: Akademie Mitteleuropa
Veranstaltungsort: Der Heiligenhof - Alte Euerdorfer Str. 1 - D-97688 Bad Kissingen

Studierende deutschsprachiger Studiengänge aus Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien sowie aus Deutschland und Interessierte

Das, was man heute Erinnerungskulturen und -politiken benennt, war – und ist es z.T. bis heute – jeweils nur ein nationales Projekt. Jedes Volk gedachte vor allem – und durchaus zurecht – nur der eigenen Opfer und eigenen Leidensgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg vereinnahmte die Überlebenden im geteilten Deutschland vor allem das eigene Leid. Das Leid im persönlichen Umfeld: der hungernden, verarmten und zerlumpten Menschen, das der körperlich und geistig versehrten Soldaten, der vestörten Kinder und Jugendlichen, der Witwen und Waisen, der vergewaltigten Frauen, der Menschen in den zerstörten Städten. Die Leidenden wurden jedoch vielfach mit ihren Erlebnissen alleine gelassen. Über vieles wurde sehr lange nicht gesprochen, so über die Massenvergewaltigungen gegen und nach Kriegsende. Öffentliches Totengedenken war formalisiert. Nur in der Bundesrepublik – nicht in der DDR – thematisierte man den Verlust der deutschen Ostgebiete, gedachte rituell des Leides der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge.
Ab Anfang der 1960er Jahre wurden die Widerständler gegen das Naziregime als Opfergruppe entdeckt und gewürdigt. Mit den Studentenprotesten von 1968 wurden Generationenkonflike um die Schuld und Beteiligung der Elterngenerationen am nationalsozialistischen System hinterfragt. Nicht die Opfer, sondern die Täter standen im Fokus. Mit der amerikanischen Spielfilmserie „Holocaust“ rückten 1977 die jüdischen Opfer in den Mittelpunkt. Erst 1996 wurde in Deutschland der Holocaustgedenktag eingerichtet. Jahrelang stritt man öffentlich um die Gestaltung der Holocaust-Gedenkstätte in Berlin. Im Historikerstreit 1986 wurde in öffentlichen Diskursen um die Singularität der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen gestritten und der Vergleichbarkeit der totalitären Systeme. Nach der Wiedervereinigung 1990
kam ein neuer Streit auf über den Umgang mit der DDR-Vergangenheit. Danach folgte die Auseinandersetzung um die Berechtigung oder den Standort eines „Zentrums gegen Vertreibungen“ oder eines alternativen Konzeptes „Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität“. Das alles sind erinnerungspoltische und -kulturelle Themen. Einige sollen im Seminar aufgegriffen werden und aus verschiedenen europäischen Perspektiven gespiegelt werden. Dass Erinnerungskultur und -politik nur mit Blick auf alle Opfergruppen und die „Leiden der Anderen“ glaubwürdig ist, hat sich durchgesetzt.
In Buch, Theater, Film und neuen Medien wird auch fortlaufend in fiktionalisierter Form Erinnerungskultur und -politik betrieben. Viele Kenntnisse über Geschichte und Vergangenheit werden durch Romane, Verfilmungen, insbesondere für die jüngernen Generationen, vermittelt.

Programm downloaden

Anmeldung und Information

Fragen und Anmeldungen können Sie gerne per E-Mail an uns richten: info@heiligenhof.de

Oder Sie nutzen unser Online-Anmeldeformular:

Veranstaltung
Persönliche Daten
Zimmerwunsch
Weitere Daten

<- zurück zur Übersicht

Bildungsstätte – Schullandheim – Jugendherberge
Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk

Alte Euerdorfer Straße 1
97688 Bad Kissingen

Tel.: +49 971 / 7147-0
Fax.: +49 971 / 7147-47

E-Mail: info(at)heiligenhof.de
www.heiligenhof.de